Härtsfeldschule macht fit für die Ausbildung

Chancengleichheit und Bildung? Gerade jetzt und schon seit Längerem ist diese Frage wieder Gegenstand vieler angeregter Diskussionen. Experten schätzen, dass mehr als 20 Prozent der jungen Leute, die in Baden-Württemberg eine Haupt- oder Förderschule verlassen, über „unzureichendes Bildungskapital“ verfügen.
Viele Betriebe klagen darüber, dass ihre frisch von der Schule kommenden Auszubildenden Defizite haben, sich nicht gut benehmen können und weder teamfähig noch verantwortungsbewusst sind. So manche Bewerbung um einen Ausbildungsplatz scheitert an diesen Mängeln. Andererseits bleiben jedes Jahr zu viele Ausbildungsplätze in Ermangelung eines geeigneten Bewerbers unbesetzt.

Viele neue Herausforderungen erwarten Schülerinnen und Schüler der achten und neunten Hauptschulklassen, wenn der Schritt ins Berufsleben ansteht. Deshalb ist es Schulleiter Heinz Schmidt von der Härtsfeldschule Neresheim ein großes Anliegen, seine Jugendlichen sehr gut darauf vorzubereiten. „Noch mehr Praxisbezug sollen die Jugendlichen durch die Einführung eines Praxistages erhalten“, erklärt Hans-Joachim Treß, der Konrektor der Härtsfeldschule, und hofft auf die rege Unterstützung durch die örtlichen Betriebe. Die Schüler und Schülerinnen der achten und neunten Klasse Hauptschule dürfen dabei regelmäßig an einem festgelegten Tag in der Woche in einem Betrieb ihrer Wahl mitarbeiten.

„Der Entwicklungsstand, die Motivation und die Erwartungen der Schülerinnen und Schüler in ihre berufliche Zukunft sind sehr unterschiedlich ausgeprägt. Die Anforderungen, die in der Berufswelt an sie gestellt werden sind ihnen noch nicht vertraut.“ So die für die Schule zuständige Berufsberaterin Tina Kleefeld. Sie informiert die Klassen in Schulbesprechungen über berufliche Möglichkeiten und die Anforderungen der Ausbildungsbetriebe. In Elternabenden soll die Betroffenheit der Eltern sich mit den Berufswahlproblemen ihrer Kinder auseinanderzusetzen angeregt werden. Weiterhin werden von Frau Kleefeld Einzelberatungen mit den Schülerinnen und Schülern an der Schule und in der Agentur für Arbeit angeboten und Ausbildungsstellen vermittelt.

Für Schüler mit zusätzlichem Förderbedarf steht aus dem Projekt „ZUKUNFT“ vertiefte Berufsorientierung, ein gemeinsames Projekt der Agentur für Arbeit und des Ostalkreises, zusätzliche Unterstützung vor Ort zur Verfügung. Regelmäßig, einen Tag in der Woche, kommt im Autrag des Landkreises Diplom-Sozialpädagogin Ingrid Beuter-Koesling, vom Bildungsträger BBQ Berufliche Bildung gGmbH an die Härtsfeldschule. Aufbauend auf eine zuvor durchgeführte Kompetenzanalyse wird in Kleingruppen nach persönlichen Stärken, Neigungen und Fähigkeiten geforscht und es werden ergänzende Berufspraktika von den Jugendlichen gesucht, vorbereitet und ausgewertet. Hierbei spielt das vertiefte Kennenlernen verschiedener Berufsfelder eine zentrale Rolle. In einem Praxis-Parcours hatten die zukünftigen Auszubildenden Gelegenheit, viele berufsspezifische Tätigkeiten selbst zu erproben. Da wurden dreidimensionale Muster zurecht geschnitten, Stromkreise geschlossen, Drähte einer Vorlage entsprechend gebogen, Werkzeuge bestimmt, Bankformulare ausgefüllt und vieles mehr. Die Jugendlichen sollen für die Interessen der Betriebe und Einrichtungen sensibilisiert werden, aber auch ihre eigenen Fähigkeiten erkennen und trainieren. Zudem bekommen sie Unterstützung bei der Erstellung individueller, aussagekräftiger Bewerbungsunterlagen, sowie eine intensive inhaltliche Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche und Einstellungstests. In diesem Zusammenhang bestehen immer noch sehr viele Unsicherheiten und Ängste vieler Jugendlicher. Wichtig ist, dass Eltern, Lehrer/in, Sozialpädagoge/in und Berufsberater/in sehr eng mit den betroffenen Jugendlichen zusammenarbeiten und sich gegenseitig ergänzen. Oft kann dann die Erfahrung gemacht werden, dass Fleiß, Zuverlässigkeit und Engagement trotzdem zu einem guten Ausbildungsplatz verhelfen kann“, führt Ingrid Beuter-Koesling dazu aus.
Die Bilanz dieser gut abgestimmten Förderung an der Härtsfeldschule kann sich sehen lassen: „Alle Schulabgänger/innen, die sich ernsthaft darum bemühten, haben im vergangenen Jahr einen Ausbildungs- oder Schulplatz erhalten“, so Gebhard Bühler, Teamleiter der Berufsberatung bei der Agentur für Arbeit.